Definition von Sjögren Syndrom

Sjögren-Syndrom ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die primär die Feuchtigkeitsdrüsen, wie Tränen- und Speicheldrüsen, angreift. Dies führt zu trockenen Augen und Mund, und kann die Verdauung und andere Schleimhäute im Körper beeinträchtigen. Es gibt zwei Hauptformen:

  1. Primäres Sjögren-Syndrom tritt allein auf, ohne eine andere Autoimmunerkrankung.
  2. Sekundäres Sjögren-Syndrom entwickelt sich in Verbindung mit anderen Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis oder Lupus.

Das Immunsystem greift die eigenen Drüsen an und beeinträchtigt deren Fähigkeit, ausreichend Flüssigkeit zu produzieren. In schweren Fällen können auch andere Organe betroffen sein, wie Nieren, Lunge, Leber und Nerven.

Sjögren Syndrom

Ursache

Die genaue Ursache des Sjögren-Syndroms ist unbekannt, jedoch spielen vermutlich eine Kombination genetischer, hormoneller und umweltbedingter Faktoren eine Rolle:

  1. Genetische Veranlagung:
    • Menschen mit einer familiären Vorgeschichte von Autoimmunerkrankungen haben ein erhöhtes Risiko für das Sjögren-Syndrom. Bestimmte genetische Marker, insbesondere solche, die das Immunsystem beeinflussen, wurden häufiger bei Betroffenen gefunden.
  2. Autoimmunreaktion:
    • Das Immunsystem greift fälschlicherweise die eigenen Drüsen an, insbesondere die Tränen- und Speicheldrüsen, was zu Trockenheitssymptomen führt. Diese Fehlreaktion kann auch andere Organe betreffen, da das Immunsystem Gewebe als fremd erkennt und angreift.
  3. Hormonelle Einflüsse:
    • Das Sjögren-Syndrom tritt häufiger bei Frauen auf, insbesondere im mittleren Lebensalter, was auf hormonelle Faktoren wie Östrogen als möglichen Einfluss hinweist.
  4. Umweltfaktoren und Infektionen:
    • Virusinfektionen (z. B. Epstein-Barr-Virus) und bestimmte Umweltfaktoren könnten das Immunsystem aktivieren und das Syndrom bei genetisch anfälligen Personen auslösen.

Diese Faktoren können dazu führen, dass das Immunsystem die Flüssigkeitsproduzierenden Drüsen angreift, was zu den typischen Symptomen wie trockenen Augen und Mund führt.

Diagnose von Sjögren Syndrom

Die Diagnose des Sjögren-Syndroms basiert auf einer Kombination klinischer Untersuchung, Labortests und spezieller Diagnosetests, um die typischen Symptome zu bestätigen und andere Erkrankungen auszuschließen.

Diagnoseschritte

  1. Klinische Untersuchung und Anamnese
    • Der Arzt erfragt die Symptome, insbesondere trockene Augen und Mundtrockenheit, sowie mögliche familiäre Vorbelastungen und andere Autoimmunerkrankungen. Körperliche Anzeichen wie entzündete oder trockene Schleimhäute werden untersucht.
  2. Labortests
    • Antikörpertests: Das Vorhandensein spezifischer Autoantikörper wie Anti-Ro (SS-A) und Anti-La (SS-B)ist charakteristisch für das Sjögren-Syndrom und unterstützt die Diagnose.
    • Entzündungswerte: C-reaktives Protein (CRP) und die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) können erhöht sein und Entzündungsaktivität anzeigen.
  3. Spezielle Tests zur Drüsenfunktion
    • Schirmer-Test: Ein Filterpapierstreifen wird unter das Unterlid gelegt, um die Tränenproduktion zu messen. Eine geringe Befeuchtung weist auf eine verringerte Tränenproduktion hin.
    • Speichelflussmessung: Der Speichelfluss kann durch Messungen oder Scans untersucht werden, um die Funktion der Speicheldrüsen zu bewerten.
  4. Bildgebende Verfahren und Gewebebiopsie
    • Sialografie oder Sonografie der Speicheldrüsen: Diese bildgebenden Verfahren zeigen entzündliche Veränderungen oder Verstopfungen in den Speicheldrüsen.
    • Lippenbiopsie: Eine Biopsie der kleinen Speicheldrüsen an der Lippe kann zur Diagnose beitragen, indem entzündliche Veränderungen sichtbar gemacht werden.
  5. SICCA-Symptome und Klassifikationskriterien
    • Die Diagnose basiert häufig auf den SICCA-Symptomen (Trockenheit der Augen und des Mundes) und den Klassifikationskriterien der American-European Consensus Group (AECG) oder ACR/EULAR-Kriterien, die spezifische Symptome und Laborergebnisse einbeziehen.

Diese umfassende Diagnostik hilft, das Sjögren-Syndrom von anderen Autoimmunerkrankungen abzugrenzen und eine passende Therapie einzuleiten.

Häufigkeit von Sjögren Syndrom

Sjögren-Syndrom ist eine relativ seltene Autoimmunerkrankung, die hauptsächlich Erwachsene, insbesondere Frauen, betrifft.

Häufigkeit (Prävalenz)

  • Weltweit: Die Prävalenz liegt weltweit bei etwa 0,1–0,5 % der Bevölkerung. Einige Schätzungen gehen von bis zu 1 % aus, je nach Region und diagnostischen Kriterien.
  • Europa und Deutschland: In Europa und speziell in Deutschland sind etwa 0,2 bis 0,4 % der Erwachsenenbetroffen. Insgesamt wird geschätzt, dass es in Deutschland ca. 200.000 bis 400.000 Betroffene gibt.

Geschlechter- und Altersverteilung

  • Geschlecht: Etwa 90 % der Betroffenen sind Frauen, was auf hormonelle Einflüsse hindeutet.
  • Alter: Das Sjögren-Syndrom tritt am häufigsten bei Frauen im mittleren Alter auf, meist zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr.

Die Prävalenz variiert je nach Region und wird vermutlich auch durch genetische und umweltbedingte Faktoren beeinflusst.

Therapie

Die Therapie des Sjögren-Syndroms zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und mögliche Organbeteiligungen zu verhindern. Eine Heilung ist derzeit nicht möglich, aber eine gezielte Behandlung kann die Lebensqualität erheblich verbessern.

1. Symptomatische Behandlung

  • Tränenersatzmittel: Künstliche Tränen und feuchtigkeitsspendende Augentropfen helfen bei trockenen Augen.
  • Speichelersatz und Mundpflegeprodukte lindern die Mundtrockenheit und können den Speichelfluss fördern.
  • Viel Wasser trinken und die Verwendung von Luftbefeuchtern kann helfen, die Schleimhäute feucht zu halten.

2. Systemische Medikamente

  • Hydroxychloroquin: Dieses Medikament wird häufig bei autoimmunen Erkrankungen eingesetzt und kann die allgemeinen Symptome, wie Gelenkschmerzen und Müdigkeit, lindern.
  • Kortikosteroide (z.B. Prednison) werden bei stärkeren Entzündungen oder Organbeteiligung eingesetzt, oft in Kombination mit anderen Medikamenten.
  • Immunsuppressiva wie Methotrexat, Azathioprin oder Mycophenolat-Mofetil können bei schweren Fällen helfen, das Immunsystem zu regulieren und Organbeteiligung zu verhindern.

3. Biologika

  • Rituximab und andere Biologika, die das Immunsystem gezielt beeinflussen, können bei therapierefraktären Fällen oder schweren Organbeteiligungen zum Einsatz kommen. Diese Medikamente werden meist dann verwendet, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend wirken.

4. Lebensstil und unterstützende Maßnahmen

  • Eine gute Mundhygiene und regelmäßige zahnärztliche Kontrollen sind wichtig, um Infektionen und Karies durch Mundtrockenheit zu verhindern.
  • Ernährung: Eine entzündungshemmende Ernährung und ein gesundes Körpergewicht können dazu beitragen, die Symptome zu verbessern.
  • Stressmanagement und Entspannungsübungen wirken sich positiv auf die allgemeine Gesundheit aus und helfen, Krankheitsschübe zu verringern.

Die Therapie wird individuell angepasst und erfordert regelmäßige Kontrollen durch Fachärzte, um das Fortschreiten zu beobachten und die Behandlung an den jeweiligen Krankheitsverlauf anzupassen.

weiterführende Links zu Sjögren Syndrom

  • DermIS – Auf dieser Seite werden die Symptome des Sjögren-Syndroms und seine Verbindung zu anderen Autoimmunerkrankungen beschrieben. Es gibt auch Details zur spezifischen Sicca-Symptomatik (Augen- und Mundtrockenheit) und zur möglichen Entwicklung von Komplikationen. Besuche dermis.net für mehr
  • NIK e.V. – Dieser Blog enthält persönliche Geschichten von Betroffenen, wie die von Sarah, die über ihren Umgang mit dem Sjögren-Syndrom und ihre Erfahrungen mit Medikamenten und symptomatischen Behandlungsmöglichkeiten berichtet. Die Seite bietet auch praktische Tipps für den Alltag und zeigt, wie wichtig der Austausch unter Betroffenen ist. Mehr dazu unter nik-ev.de
  • Der Rheuma-Podcast – In einer Episode des Rheuma-Podcasts berichten Christa und Elke, beide aktive Mitglieder der Rheuma-Liga, über ihren Alltag mit Sjögren und die Herausforderungen, die mit der Diagnose verbunden sind. Sie teilen, wie sie mit Fatigue, Trockenheitssymptomen und den sozialen Auswirkungen der Krankheit umgehen. Die Episode gibt wertvolle Einblicke und kann unter podcast.de angehört werden​
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